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Pfarraltar in der St. Vituskirche Ottmarshausen

 

"Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt!" (Joh1,29)

1. Warum der Altar bei uns in der Mitte steht

Liturgiesprache Deutsch statt Latein, aktive Mitwirkung der Laien bei Lesungen, Fürbitten und Friedensgruß, Wortgottesdienste und Erneuerung des Volksgesanges (neues Gotteslob) sind wichtige Aspekte für die Gestaltung unseres Gottesdienstes, die das 2. Vatikanische Konzil (1962-65) uns gebracht hat. Auch die Altäre erfuhren in ihrem liturgischen Stellenwert eine wesentliche Veränderung: Waren sie früher in den Kirchenschiffen vorne mit den Tabernakeln Orte der Anbetung Gottes, wurden sie,jetzt zum Volk gerückt, Tische für unsere Mahlgemeinschaften bei den Gottesdiensten.

Die Ottmarshauser Kirche, 1967 geweiht, bezeugt diesen Wandel eindrucksvoll. Unser Altar ist Mittelpunkt der Gemeindeversammlung!

 

 

Vitus Altar Lamm

Erg. GHö. Bildhauer Hubert Zimmermann, Stuttgart; Gewicht ca. 10 t (100 Zentner); Errichtung zwischen 07.04.-15.06.1967

 

2. Wie der Stuttgarter Künstler Zimmermann diesen Altar gestaltet hat

Ein großer dunkler Quader aus Muschelkalk ruht auf einem runden Fuß. Die vier Seitenflächen sind ringsum bildhaft ausgestattet. Auf der Vorderseite ist ein LAMM dargestellt mit 7 Augen, 7 strahlenförmigen Hörnern und 7 wappenförmigen Siegeln, die ursprünglich eine Papyrusrolle - ein Buch mit 7 Siegeln - verschlossen hielten. Aus dem Herzen des Lammes ergießt sich ein Blutstrahl mitten in den Kirchenraum.

Links vom Lamm schweben schwer erkennbare abstrakte Engels-gestalten; rechts vom Lamm sehen wir vier Figuren mit einem Menschen-, einem Löwen-, einem Adler- und einem Stierkopf. Auf den drei anderen Seitenflächen des Altares sind jeweils 8 stilisierte Menschengestalten fein eingemeißelt, 24 an der Zahl.

 

st. vitus

3. Was die Bilder bedeuten

Sie schildern eine Szene aus dem Buch der Offenbarung des Johannes, Kapitel 5,6-14. Diese Schrift wurde gegen Ende des ersten Jahrhunderts in der Zeit der frühen Christenverfolgung geschrieben. Der Autor wollte die bedrängten Gläubigen trösten, stärken und aufrichten. Er versprach ihnen ein Ende all ihrer Bedrängnis mit der Wiederkehr Christi.

Bis heute halten wir an diesen Verheißungen fest, wenn wir beim Gottesdienst nach der Wandlung gemeinsam sprechen: ”Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir - bis du kommst in Herrlichkeit!". Und genau diese drei Aussagen sind das theologische Programm, das der Künstler in symbolischen Bildern auf unserem Altarstein dargestellt hat.

 

Deinen Tod, o Herr, verkünden wir

Christus sehen wir hier als Opferlamm (Paschalamm, Lamm Gottes). Seine Seitenwunde ist geöffnet. Aus ihr strömt Blut, das für uns am Kreuz vergossen wurde. Das Haupt des Lammes ist symbolhaft in Kreuzesform dargestellt.

Der Prophet Jesaja spricht in seinem vierten Lied vom Gottesknecht, das die Kirche später auf Jesus bezieht: "Er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Schuld mißhandelt. Weil die Strafe auf ihm lag, sind wir gerettet. Durch seine Wunden sind wir geheilt... er ist wie ein Lamm, das man wegführt um es zu schlachten... (Jes 53,5 u.7)

Und deine Auferstehung preisen wir

Die Engelsgestalten zur Linken des Lammes - stellvertretend für "zehntausendmal zehntausend" - jubeln Gott und dem Lamm unablässig zu. Die vier Wesen zur Rechten des Lammes - alttestamentliche Gestalten aus dem Prophetenbuch des Ezechiel (1.5 und lo.14) - erweisen ebenfalls Jahwe und dem Lamm ihre Ehre. Sie verkörpern symbolisch das Weiseste (Mensch),das Edelste (Löwe, König der Tiere), das Schnellste (Adler) und das Stärkste (Stier) was es in der Schöpfung gibt. Die christliche Überlieferung aber sieht später in diesen vier Wesen Symbole für die vier Evangelisten (Mattäus=Mensch, Markus=Löwe, Johannes=Adler und Lukas=Stier). Diese bekennen in ihren Evangelien Jesus, das Lamm Gottes, vor allem als den Auferstandenen, den der Vater wider alle Erwartung aus dem Tode auferweckt hat. So daß schon in der frühen Kirche gilt: Wer mit dem Munde bekennt "Jesus ist der Herr" und mit dem Herzen glaubt "Gott hat ihn von den Toten auferweckt", der wird gerettet werden (Römerbrief l0.9).

Bis du kommst in Herrlichkeit

Dieser Satz ist die Zentralaussage unseres Altarbildes. Christus, das Lamm, wird dargestellt als der "Vollstrecker des Geschichtsplanes Gottes". Er wird die Herrschaft Jahwes endgültig über eine erneuerte Erde aufrichten. Und er wird am Jüngsten Tage wiederkommen.

Darum ist dieses Lamm mit göttlichen Eigenschaften ausgestattet: mit Allwissenheit (7 Augen), mit Allmacht (7 Hörner = Zacken einer Krone), mit Kenntnis und Besitz der Zukunft (7 Siegel und geöffnete Buchrolle).

Mit diesen Symbolen wird in der Apokalypse geschichtstheologisch interpretiert, was seit der Urkirche Glaubensbekenntnis der Christen ist: Der gekreuzigte und auferweckte und zur Rechten Gottes erhöhte Jesus von Nazaret ist der Messias, der Christus, der wiederkommt in Herrlichkeit. Wahrlich ein adventliches Bild!

Bleiben noch die 24 Menschengestalten, genannt "Älteste", rund um den Altarstein. Sie vertreten uns Menschen am Throne des Lammes.

 

Der Künstler hat einige von ihnen so dargestellt, daß sie aus ihrem Bildrahmen heraustreten und auf uns zugehen, um uns gleichsam zur gemeinsamen Anbetung Jahwes und des Lammes an den Altar zu holen. Auch sie rufen wie die Engel und die vier Wesen unaufhörlich: Heilig, heilig, heilig. Ihnen zugesellt ist in der Offenbarung des Johannes eine unzählbare Schar von Menschen aus allen Völkern und Stämmen. In weiße Gewänder gekleidet (=Symbolfarbe der Zukunft mit Gott) greifen auch sie dieses heilig, heilig, heilig auf. Und zu dieser unzählbaren Schar gehören auch wir. Schon jetzt!

Text: Hans Kögl

Foto: Gerhard Höppner

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