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Der halbkreisförmige Raumteil in unserer Kirche – die Apsis - ist ein Blickfang. Dies geschah auf besondere Weise durch die Wandgestaltung der Künstlerin Anita Rist-Geiger (2005). Auf dreifache Weise wird die „Christus-Ausrichtung“ in unserem Kirchenbau sichtbar.

Christus – gestern – heute – und in Ewigkeit (vgl. Heb. 18,3)

Es ist eine alte Tradition Kirchengebäude nach Osten (lat. Orient) hin auszurichten. Die Himmelsrichtung „Osten“ hat für Christen eine spirituelle Dimension. Wir werden erinnert an den Ostertag als in aller Frühe die Frauen zum Grab Jesu gingen, „als eben die Sonne aufging“ (Mk 16,2). Jesus Christus hat die Nacht des Todes besiegt durch seine Auferstehung. Deshalb richten wir unseren Blick nach Osten, zu Christus. Im Lied besingen wir IHN als der „Sonne der Gerechtigkeit“ (GL 481). Auf das Leben übertragen bedeutet das: Christen „orientieren“ sich an Jesus Christus: seinem Leben, Sterben und Auferstehen.

In der Apsis befindet sich der „Priestersitz“. Auf der Steinbank sitzt während der Messfeier der Altardienst und in der Mitte ist ein hervorgehobener Platz für den Vorsteher. Dieser besondere Platz erinnert an Jesus Christus, dem eigentlichen Vorsteher der Gemeinde. Deshalb spricht der Dekan bei der Amtseinführung eines neuen Pfarrers folgendes:

„Durch den Bischof vertraut Dir Christus diese Gemeinde an. In seinem Namen sollst Du sie leiten. Dafür ist der Vorstehersitz Zeichen. Wenn du von hier aus den Gottesdienst leitest, sei Dir bewusst, dass die erste Stelle Christus gehört. Er lenke deine Schritte zu den Menschen, besonders zu den Kranken und allen, die auf Deine Hilfe warten. Dazu schenke er Dir jene dienende Liebe, an der die Welt die Jünger Christi erkennen soll.“

Der Priestersitz erinnert daran, dass Christus die erste Stelle gehört – „Jesus first!“

 

st.vitus apsis

 

Die Wandgestaltung trägt den Titel „Christus- gestern – heute – und in Ewigkeit“. Besonders beeindruckend ist hier die große, vergoldete Fläche. Die Farbe „Gold“ steht in der christlichen Kunst für das ewige, unvergängliche Licht, das von Gott kommt. Das göttliche Licht berührt auf der rechten Seite die sitzende Person, dessen Hand in die Goldfläche hineinragt. Es ist Jesus Christus, erkennbar an seinem Heiligenschein mit Kreuznimbus. Neben ihm steht Johannes, der Seher von Patmos. Ihm wird das letzte Buch der Bibel zugeschrieben: die Offenbarung des Johannes. Die „Offenbarung“ bildet den biblischen Hintergrund der dargestellten Personen und Engel. Sie sind aus einer alten Darstellung übernommen worden. Jesus Christus, der auf dem Thron sitzt spricht von sich: „Seht ich mache alles neu. … Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende.“ (Offb. 21,5f)

Auf der linken Seite stehen zwei Engel vor einem in brauntönen, strukturiertem Hintergrund. Die Ornamentik, die in die Goldfläche hineinreicht, erinnert an das Innenleben eines Computers. Die beiden Engel sind Sinnbild für die christlichen Gemeinden. Christen leben im menschlich-erdhaften Bereich, zu dem die moderne Technik und der wissenschaftlichen Fortschritt gehören. Die Blicke der Engel und ihre Körperhaltung sind auf Jesus Christus ausgerichtet. ER, der Herr des Himmels und der Erde, wendet sich den Menschen zu mit seiner Sitzhaltung, seinem Blick und seiner offenen Hand.

Jesus Christus reicht den Menschen die Hand und weist den Weg zum ewigen Leben. Das Wandbild zeigt die Begegnung von Himmel und Erde im göttlichen Licht. Wir auf der Erde feiern diese Begegnung in jeder heiligen Messe.

Die Himmelsrichtung „Osten“ weist hin auf Christus, den Auferstandenen: der „Priestersitz“ erinnert, dass Christus der Vorsteher der Gemeinde ist. Die Wandgestaltung zeigt uns die göttliche Zuwendung „Christus- gestern – heute – und in Ewigkeit“

macht SEINE Gegenwart sichtbar, die wir in der heiligen Feier und in der Ewigkeit.

 

Text: Pfarrer Wolfgang Kretschmer