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Im Marienmonat Mai ist unsere Marienfigur durch Rosen und Kerze besonders geschmückt. Sie stammt ursprünglich aus der alten Kirche und hat ihren Platz auf einem Sockel gefunden, der die Inschrift trägt: „Höre Israel, der Herr, unser Gott“

 

Im Blick auf die Marienfigur mit Sockel werden zwei Besonderheiten deutlich:

Die Worte auf dem Steinsockel (Höre Israel… Dtn. 6,4) sind der Anfang des jüdischen Glaubensbekenntnisses. Sie erinnern daran, dass die Wurzeln unseres christlichen Glaubens im Judentum liegen. Maria und Jesus waren Juden und hatten im Judentum ihr Fundament. Deshalb bezeichnen wir die Juden als unsere „älteren Geschwister“ im Glauben an den EINEN Gott.

 maria st. vitus 2

Durch die Menschenwerdung Gottes in Jesus, den Maria geboren hat, beginnt etwas Neues. Dies wird sichtbar in der figürlichen Gestaltung und dem Material: zwei menschliche Figuren aus Holz geschnitzt.

Bedenkenswert an der Marienfigur mit Jesuskind sind meiner Meinung nach die Hände. Vermutlich hatte Maria einen Gegenstand in ihrer Hand (eine Frucht oder die Weltkugel). Maria reicht es Jesus, der lächelnd danach greift. Frucht oder Weltkugel stehen für die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen. Jesus Christus hat durch seinen Tod und seine Auferstehung die Welt erlöst. Bei SEINER Geburt verkünden die Engel den Hirten: „Heute ist euch…der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.“ (Lk 2,11)

Der „fehlende“ Gegenstand macht dieses Kunstwerk noch „menschlicher“. Der Raum, den die drei Hände von Maria und Jesus bilden, ist leer. In diesem „heiligen Leerraum“ ist Platz für alles, das mich bewegt und erlösungsbedürftig ist. So wird diese Figur eine Einladung an mich, alles den liebenden Händen der Gottesmutter Maria und Jesus Christus anzuvertrauen.

 

Text: Wolfgang Kretschmer